Petrelintid
Ein Abnehmwirkstoff ohne GLP-1. Petrelintid ahmt allein das Sättigungshormon Amylin nach – mit dem Ziel, ähnlich viel Gewicht zu senken wie GLP-1-Wirkstoffe, aber mit weniger Magen-Darm-Beschwerden.
In 30 Sekunden verstanden
- Was ist es?
- Amylin-Analogon · Einzelsubstanz
- Wofür erforscht?
- Abnehmen und Körperfett
- Datenlage
- Stufe B — Klinische Humanstudien
- Einschränkung
- Phase-1-Studien zu Sicherheit und Dosis; zwei Phase-2-Studien mit 493 und 221 Teilnehmenden.
- Darreichungsform
- subkutane Injektion
Diese Vialstärke im Rechner öffnen →Dosis und Häufigkeit gibst du dort selbst ein.
Dosierungsschema
Standard – schrittweiser Aufbau
| Phase | Wochendosis | Einheiten je Injektion |
|---|---|---|
| Woche 1-2 | 0,6 mg | 12 Einheiten (0,12 mL) |
| Woche 3-4 | 1,2 mg | 24 Einheiten (0,24 mL) |
| Woche 5-6 | 2,4 mg | 48 Einheiten (0,48 mL) |
| Woche 7-8 | 4,8 mg | 96 Einheiten (0,96 mL) |
| ab Woche 9 | 9 mg | 180 Einheiten (1,80 mL, 2 Vials) |
Was Petrelintid tut
Petrelintid ist ein langwirksamer Abkömmling des körpereigenen Amylins. Amylin wird in der Bauchspeicheldrüse zusammen mit Insulin ausgeschüttet, verlangsamt die Magenentleerung und verstärkt das Sättigungsgefühl im Gehirn.
Die Halbwertszeit von rund zehn Tagen erlaubt eine Spritze pro Woche. In den Phase-1-Studien wurden Einzeldosen von 0,04 bis 2,4 mg geprüft und anschließend Wochendosen, die alle zwei Wochen bis auf 2,4, 4,8 oder 9,0 mg gesteigert wurden.
Der Ansatz ohne GLP-1 zielt auf bessere Verträglichkeit: In den bisherigen Studien war Übelkeit die häufigste Nebenwirkung, Durchfall selten, und nur eine Person brach deswegen ab.
Zulassung und Recht: Petrelintid ist nirgends zugelassen. Zealand Pharma entwickelt den Wirkstoff gemeinsam mit Roche; zwei Phase-2-Studien mit 493 und 221 Teilnehmenden sind abgeschlossen, eine Kombinationsstudie ist geplant.
Beobachteter Nutzen
- Wöchentliche Gabe durch eine Halbwertszeit von etwa zehn Tagen.
- In den Phase-1-Studien gut verträglich: keine schweren unerwünschten Ereignisse.
- Übelkeit trat bei 17 bis 33 Prozent auf und damit nur wenig häufiger als unter Placebo mit 17 Prozent.
- Ein Weg ohne GLP-1 – interessant für alle, die GLP-1-Wirkstoffe nicht vertragen.
Nebenwirkungen
- Magen-Darm-Beschwerden, vor allem Übelkeit; Erbrechen war in den Studien die Ausnahme.
- Reaktionen an der Einstichstelle sind möglich.
- Die Datenlage ist noch früh: Die veröffentlichten Studien prüfen vor allem Sicherheit, Dosis und Verlauf im Blut, nicht den Nutzen über längere Zeit.
- Langzeitdaten fehlen vollständig.
Wie gut ist das belegt?
Phase-1-Studien zu Sicherheit und Dosis; zwei Phase-2-Studien mit 493 und 221 Teilnehmenden.
Die Stufe beschreibt, wie gut untersucht ein Stoff ist — nicht, wie gut er wirkt. Eingestuft wird von Hand nach den unten aufgeführten Quellen; im Zweifel die schwächere Stufe.
Was die Stufen bedeuten und was hier fehlt
- AUmfangreiche HumanstudienZugelassenes Arzneimittel oder mehrere große kontrollierte Studien.
- BKlinische HumanstudienIn kontrollierten Studien am Menschen untersucht, Umfang begrenzt.
- CBegrenzte HumandatenKleine Studien, Fallserien oder Anwendung außerhalb kontrollierter Studien.
- DÜberwiegend TierstudienBelege stammen weit überwiegend aus Tiermodellen.
- EZell- und LaborversucheBelege stammen aus Zellkulturen oder Modellsystemen.
Für eine bessere EinstufungFür Stufe A fehlen mehrere große kontrollierte Studien oder eine arzneimittelrechtliche Zulassung.
Worauf sich alle Zahlen beziehen
Für Petrelintid wird empfohlen, das 10-mg-Vial mit 2 mL bakteriostatischem Wasser anzumischen. Daraus ergibt sich eine Konzentration von 5 mg/mL.
Alle Zahlen weiter unten beziehen sich auf genau dieses Mischverhältnis. Die Einheitenangaben in den Tabellen gelten also nur, wenn du dieselbe Wassermenge verwendest.
Nimmst du mehr oder weniger Wasser, ändert sich die Konzentration — und damit jede Einheitenangabe. Die Wirkstoffmenge im Vial bleibt gleich, sie verteilt sich nur anders. Rechne in dem Fall mit dem Umrechner weiter unten, nicht mit den Tabellenwerten.
Angewendet wird einmal wöchentlich, subkutan. Das Schema arbeitet sich schrittweise nach oben — die erste Stufe dient dazu, die Verträglichkeit zu prüfen.
Eigene Dosis umrechnen
Gerechnet mit 5 mg/mL auf einer U-100-Spritze. Vollständiger Rechner →
Anmischen
- 2 mL bakteriostatisches Wasser mit einer sterilen Spritze aufziehen.
- Das Wasser langsam an der Innenwand des Vials hinunterlaufen lassen — nicht direkt auf das Pulver strahlen, sonst schäumt es.
- Das Vial vorsichtig schwenken oder rollen, bis sich das Pulver vollständig gelöst hat. Auf keinen Fall schütteln.
- Die Lösung muss klar sein. Ergibt 5 mg/mL.
- Vial mit Anmischdatum und Konzentration beschriften und sofort in den Kühlschrank stellen.
Bei 5 mg/mL entspricht 1 Einheit auf der U-100-Spritze (0,01 mL) etwa 0,05 mg.
Lagerung
- Gefriergetrocknet (ungeöffnet): einfrieren bei -20 °C
- Angemischt: im Kühlschrank bei 2-8 °C, innerhalb von 30 Tage aufbrauchen
- Wiederholtes Einfrieren und Auftauen vermeiden.
- Vor Licht geschützt lagern und das Vial mit dem Anmischdatum beschriften.
Was du dafür brauchst
- Gerechnet mit dem Standardschema oben und 1 Anwendung pro Woche:
- 12 Wochen: 6 Vials, 12 mL bakteriostatisches Wasser (entspricht 2 × 10-mL-Flaschen).
- 24 Wochen: 17 Vials, 34 mL bakteriostatisches Wasser (entspricht 4 × 10-mL-Flaschen).
- Ein Kanülenbehälter für die sichere Entsorgung.
- Die Vialzahl ist aufgerundet; Restmengen im Vial sind dabei berücksichtigt.
Wichtige Hinweise
- Dosis, Datum und Einstichstelle jedes Mal notieren — nur so bleibt der Verlauf nachvollziehbar.
- Schrittweise steigern und Aufbaustufen nicht überspringen.
- Angemischte Vials nie über das angegebene Haltbarkeitsfenster hinaus verwenden.
- Bei trüber Lösung, Flocken oder Verfärbung das Vial verwerfen.
Injektionstechnik
- Vialdeckel und Einstichstelle mit einem Alkoholtupfer reinigen und vollständig trocknen lassen.
- Eine Hautfalte abheben und die Nadel im Winkel von 45 bis 90 Grad in das Unterhautfettgewebe einführen.
- Bei subkutaner Gabe nicht aspirieren. Langsam und gleichmäßig injizieren.
- Nach dem Injizieren einige Sekunden warten, bevor die Nadel zurückgezogen wird — so geht keine Dosis verloren.
- Einstichstellen systematisch wechseln (Bauch, Oberschenkel, Oberarm), um Verhärtungen zu vermeiden.
- Für jede Injektion eine neue sterile Nadel verwenden und sie sofort in einen Kanülenbehälter entsorgen.
Quellen
Eingeordnet nach dem, was in der Quellenangabe selbst steht. Wo die Art nicht eindeutig hervorgeht, zählt der Eintrag als weitere Quelle — nicht als Studie.
- Diabetes, Obesity and Metabolism (2026)Randomisierte Studie2026Brændholt Olsen M, et al. Zwei randomisierte, placebokontrollierte Phase-1-Studien zu Petrelintid: Einzeldosen von 0,04 bis 2,4 mg und wöchentliche Gaben bis 9,0 mgQuelle öffnen ↗
- Journal of Medicinal Chemistry (2025)2025Entwicklung von Petrelintid: ein stabiles, langwirksames Amylin-AnalogonQuelle öffnen ↗
- Peptides (2026)Übersichtsarbeit2026Langwirksame Amylin-Wirkstoffe bei Adipositas und Typ-2-Diabetes (Übersicht)Quelle öffnen ↗
- ClinicalTrials.gov – Petrelintid Phase 2Phase-2-StudiePetrelintid einmal wöchentlich gegen Placebo bei Adipositas oder Übergewicht, 493 Teilnehmende (NCT06662539)Quelle öffnen ↗
- ClinicalTrials.gov – Petrelintid Phase 2Phase-2-StudieWirksamkeit und Sicherheit von Petrelintid bei Übergewicht, 221 Teilnehmende (NCT06926842)Quelle öffnen ↗
Ähnliche Peptide
Vorgeschlagen anhand von Wirkprinzip, gemeinsamer Mischung und Forschungsgebiet dieser Sammlung. Das ist keine Aussage darüber, dass die Stoffe gleichwertig oder austauschbar wären.
Quellen und Berechnungsgrundlagen im jeweiligen Eintrag. Die Mengen entsprechen den Dosierungen aus den unten aufgeführten Studien; hier nachgerechnet ist die Umrechnung auf Vialgröße und Spritzeneinheiten.