AICAR
Ein Bewegungsimitat. AICAR täuscht der Zelle Energiemangel vor und schaltet damit dieselben Stoffwechselwege an wie Ausdauertraining — untrainierte Mäuse liefen 44 Prozent länger.

In 30 Sekunden verstanden
- Was ist es?
- AMPK-Aktivator · Einzelsubstanz
- Wofür erforscht?
- Abnehmen und Körperfett · Energie, Ausdauer und Mitochondrien
- Datenlage
- Stufe C — Begrenzte Humandaten
- Einschränkung
- Humanstudien nur zur intravenösen Form Acadesin.
- Darreichungsform
- subkutane Injektion
Diese Vialstärke im Rechner öffnen →Dosis und Häufigkeit gibst du dort selbst ein.
Dosierungsschema
Standard – schrittweiser Aufbau
| Woche / Phase | Tagesdosis | Einheiten je Injektion |
|---|---|---|
| Woche 1-2 | 1 mg | 6 Einheiten (0,06 mL) |
| Woche 3-4 | 2 mg | 12 Einheiten (0,12 mL) |
| Woche 5-8 | 3 mg | 18 Einheiten (0,18 mL) |
Fortgeschritten – zügiger Aufbau
| Woche / Phase | Tagesdosis | Einheiten je Injektion |
|---|---|---|
| Woche 1-2 | 2 mg | 12 Einheiten (0,12 mL) |
| Woche 3-6 | 3 mg | 18 Einheiten (0,18 mL) |
| Woche 7-12 | 5 mg | 30 Einheiten (0,30 mL) |
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Was AICAR tut
AICAR aktiviert AMPK und täuscht der Zelle damit einen Energiemangel vor. Nach der Gabe gelangt es in die Skelettmuskulatur und andere Zellen, wo es zu ZMP umgebaut wird — einer Substanz, die AMP ähnelt und die AMP-aktivierte Proteinkinase direkt anschaltet.
AMPK ist der zentrale Regler des zellulären Energiehaushalts. Ist sie aktiv, nimmt der Muskel mehr Glukose auf, verbrennt mehr Fettsäuren und bildet vermehrt neue Mitochondrien.
Diese Verschiebung bringt die Zelle dazu, so zu reagieren, als würde der Körper trainieren oder fasten — Stoffwechselwege für Energiegewinnung und Ausdauer werden angestoßen, ohne dass tatsächlich Bewegung stattfindet.
Beobachteter Nutzen
- Ausdauer: Untrainierte Mäuse steigerten unter AICAR ihre Ausdauer um 44 Prozent ohne jedes Training — daher die Bezeichnung als Bewegungsimitat.
- Stoffwechsel: mehr Mitochondrienenzyme, höhere Fettverbrennungskapazität und stärkere Glukoseaufnahme im Muskel; in Tiermodellen bessere Insulinempfindlichkeit.
- In Tiermodellen zeigten sich Ansätze für einen Schutz bei diabetischer Nervenschädigung und beim metabolischen Syndrom.
- Sicherheit: In Humanstudien mit der intravenösen Form Acadesin waren Einzeldosen bis 210 mg/kg verträglich, mit nur leichten, vorübergehenden Beschwerden. Die hier genannten subkutanen Mengen liegen weit darunter.
Nebenwirkungen
- In Studien im Allgemeinen gut vertragen; möglicherweise leichte Reaktionen an der Einstichstelle wie Rötung oder Reizung.
- Wichtig: Trotz vielversprechender vorklinischer Ergebnisse bleibt AICAR im Versuchsstadium. Ein gesicherter klinischer Nutzen beim Menschen ist nicht belegt, die Langzeitrisiken sind unbekannt.
Wie gut ist das belegt?
Humanstudien nur zur intravenösen Form Acadesin.
Die Stufe beschreibt, wie gut untersucht ein Stoff ist — nicht, wie gut er wirkt. Eingestuft wird von Hand nach den unten aufgeführten Quellen; im Zweifel die schwächere Stufe.
Was die Stufen bedeuten und was hier fehlt
- AUmfangreiche HumanstudienZugelassenes Arzneimittel oder mehrere große kontrollierte Studien.
- BKlinische HumanstudienIn kontrollierten Studien am Menschen untersucht, Umfang begrenzt.
- CBegrenzte HumandatenKleine Studien, Fallserien oder Anwendung außerhalb kontrollierter Studien.
- DÜberwiegend TierstudienBelege stammen weit überwiegend aus Tiermodellen.
- EZell- und LaborversucheBelege stammen aus Zellkulturen oder Modellsystemen.
Für eine bessere EinstufungFür Stufe B fehlen kontrollierte Studien am Menschen.
Worauf sich alle Zahlen beziehen
Für AICAR wird empfohlen, das 50-mg-Vial mit 3 mL bakteriostatischem Wasser anzumischen. Daraus ergibt sich eine Konzentration von 16,7 mg/mL.
Alle Zahlen weiter unten beziehen sich auf genau dieses Mischverhältnis. Die Einheitenangaben in den Tabellen gelten also nur, wenn du dieselbe Wassermenge verwendest.
Nimmst du mehr oder weniger Wasser, ändert sich die Konzentration — und damit jede Einheitenangabe. Die Wirkstoffmenge im Vial bleibt gleich, sie verteilt sich nur anders. Rechne in dem Fall mit dem Umrechner weiter unten, nicht mit den Tabellenwerten.
Angewendet wird einmal täglich, subkutan. Das Schema arbeitet sich schrittweise nach oben — die erste Stufe dient dazu, die Verträglichkeit zu prüfen.
Eigene Dosis umrechnen
Gerechnet mit 16,7 mg/mL auf einer U-100-Spritze. Vollständiger Rechner →
Anmischen
- 3 mL bakteriostatisches Wasser mit einer sterilen Spritze aufziehen.
- Das Wasser langsam an der Innenwand des Vials hinunterlaufen lassen — nicht direkt auf das Pulver strahlen, sonst schäumt es.
- Das Vial vorsichtig schwenken oder rollen, bis sich das Pulver vollständig gelöst hat. Auf keinen Fall schütteln.
- Die Lösung muss klar sein. Ergibt 16,7 mg/mL.
- Vial mit Anmischdatum und Konzentration beschriften und sofort in den Kühlschrank stellen.
Bei 16,7 mg/mL entspricht 1 Einheit auf der U-100-Spritze (0,01 mL) etwa 0,167 mg.
Lagerung
- Gefriergetrocknet (ungeöffnet): einfrieren bei -20 °C
- Angemischt: im Kühlschrank bei 2-8 °C, innerhalb von 4 Wochen aufbrauchen
- Wiederholtes Einfrieren und Auftauen vermeiden.
- Vor Licht geschützt lagern und das Vial mit dem Anmischdatum beschriften.
Was du dafür brauchst
- Gerechnet mit dem Standardschema oben und 7 Anwendungen pro Woche:
- 12 Wochen: 5 Vials, 84 Insulinspritzen, 89 Alkoholtupfer, 15 mL bakteriostatisches Wasser (entspricht 2 × 10-mL-Flaschen).
- 24 Wochen: 10 Vials, 168 Insulinspritzen, 178 Alkoholtupfer, 30 mL bakteriostatisches Wasser (entspricht 3 × 10-mL-Flaschen).
- Ein Kanülenbehälter für die sichere Entsorgung.
- Die Vialzahl ist aufgerundet; Restmengen im Vial sind dabei berücksichtigt.
Wichtige Hinweise
- Dosis, Datum und Einstichstelle jedes Mal notieren — nur so bleibt der Verlauf nachvollziehbar.
- Schrittweise steigern und Aufbaustufen nicht überspringen.
- Angemischte Vials nie über das angegebene Haltbarkeitsfenster hinaus verwenden.
- Bei trüber Lösung, Flocken oder Verfärbung das Vial verwerfen.
Injektionstechnik
- Vialdeckel und Einstichstelle mit einem Alkoholtupfer reinigen und vollständig trocknen lassen.
- Eine Hautfalte abheben und die Nadel im Winkel von 45 bis 90 Grad in das Unterhautfettgewebe einführen.
- Bei subkutaner Gabe nicht aspirieren. Langsam und gleichmäßig injizieren.
- Nach dem Injizieren einige Sekunden warten, bevor die Nadel zurückgezogen wird — so geht keine Dosis verloren.
- Einstichstellen systematisch wechseln (Bauch, Oberschenkel, Oberarm), um Verhärtungen zu vermeiden.
- Für jede Injektion eine neue sterile Nadel verwenden und sie sofort in einen Kanülenbehälter entsorgen.
Quellen
Eingeordnet nach dem, was in der Quellenangabe selbst steht. Wo die Art nicht eindeutig hervorgeht, zählt der Eintrag als weitere Quelle — nicht als Studie.
- U.S. Anti-Doping Agency (USADA)Amtliche Angabe2022What Athletes Should Know About AICAR and Other Prohibited AMPK Activated Protein Kinase Activators (official guidance, 2022)Quelle öffnen ↗
- PubMed2017Doping control study of AICAR; endurance enhancement in sedentary animals (Drug Testing and Analysis, 2017)Quelle öffnen ↗
- PMC (PubMed Central)2010AICAR treatment for 14 days normalizes obesity-induced dysregulation in skeletal muscle (Am. J. Physiol., 2010)Quelle öffnen ↗
- MDPI (International Journal of Molecular Sciences)2024AICAR prevents and reverses diabetic polyneuropathy by regulating mitophagy (2024)Quelle öffnen ↗
- PubMed2013Acadesine (AICAR) Phase I/II study; maximum tolerated dose 210 mg/kg IV (Cancer Chemotherapy and Pharmacology, 2013)Quelle öffnen ↗
- Cell Signaling Technology2021AICAR (Acadesine) Product Data Sheet; AMPK activation mechanism and cellular effects (2021)Quelle öffnen ↗
- JAMA Network1997Effect of adenosine-regulating agent acadesine in cardiac surgery; IV infusion protocol (JAMA, 1997)Quelle öffnen ↗
Allgemeine Grundlagen (7)
Diese Quellen stehen auf vielen Protokollen — sie belegen Injektionstechnik, Lagerung und Handhabung, nicht die Wirkung dieses Peptids.
- MedlinePlus Medical EncyclopediaAmtliche Angabe2023Subcutaneous (SQ) injections: patient instructions for proper technique and site rotation (NIH, 2023)Quelle öffnen ↗
- CDCVaccine administration: subcutaneous route guidelines (angle, site selection, no aspiration)Quelle öffnen ↗
- Endocrinology (Oxford University Press)AICAR stimulates fatty acid oxidation via β-adrenergic pathway in skeletal muscleQuelle öffnen ↗
- PMCAICAR enhances glucose transport and mitochondrial function in muscle cellsQuelle öffnen ↗
- NCBI BookshelfBest practices for injection procedures; asepsis, preparation, and administration guidelinesQuelle öffnen ↗
- PMCÜbersichtsarbeitPharmacologic considerations of subcutaneous drug injection; bioavailability and technique reviewQuelle öffnen ↗
- Biolog Life Science Institute2018Technical Information about AICAR-5′-MP (AICA Ribonucleotide); stability and handling (2018)Quelle öffnen ↗
Ähnliche Peptide
Vorgeschlagen anhand von Wirkprinzip, gemeinsamer Mischung und Forschungsgebiet dieser Sammlung. Das ist keine Aussage darüber, dass die Stoffe gleichwertig oder austauschbar wären.
Quellen und Berechnungsgrundlagen im jeweiligen Eintrag. Ursprüngliche Zusammenstellung ↗