L-Carnitine
Der Fährmann des Fettstoffwechsels. L-Carnitin schleust Fettsäuren in die Mitochondrien, wo sie verbrannt werden. Gespritzt umgeht es die schlechte Aufnahme und die ungünstigen Abbauprodukte der Kapselform.

In 30 Sekunden verstanden
- Was ist es?
- Stoffwechselträger · Einzelsubstanz
- Wofür erforscht?
- Abnehmen und Körperfett · Energie, Ausdauer und Mitochondrien
- Datenlage
- Stufe A — Umfangreiche Humanstudien
- Einschränkung
- Auswertung von 37 randomisierten kontrollierten Studien.
- Darreichungsform
- subkutane Injektion
Diese Vialstärke im Rechner öffnen →Dosis und Häufigkeit gibst du dort selbst ein.
Dosierungsschema
Standard – schrittweiser Aufbau
| Woche | Tagesdosis | Einheiten je Injektion |
|---|---|---|
| Woche 1-2 | 50 mg | 50 Einheiten (0,50 mL) |
| Woche 3-8 | 100 mg | 100 Einheiten (1,0 mL) |
| Woche 9-12 | 100 mg | 100 Einheiten (1,0 mL) |
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Was L-Carnitine tut
L-Carnitin ist kein Peptid, sondern eine quartäre Ammoniumverbindung, die der Körper aus Lysin und Methionin selbst herstellt. Im Energiestoffwechsel spielt es eine Schlüsselrolle.
Es ist der unverzichtbare Helfer des Enzymsystems Carnitin-Palmitoyltransferase, das langkettige Fettsäuren durch die innere Mitochondrienmembran schleust, damit sie dort verbrannt werden können. Ohne diesen Transport lässt sich aus Fettreserven kein ATP gewinnen — besonders wichtig bei längerer Belastung oder unter Kalorienbeschränkung.
Eine Auswertung von 37 randomisierten Studien ergab, dass etwa 2000 mg täglich als Kapsel zu einer bescheidenen Gewichtsabnahme von rund 1,2 kg führen, wobei höhere Mengen kaum mehr bringen.
Warum dann spritzen statt schlucken? Oral aufgenommenes L-Carnitin wird schlecht verwertet, je nach Menge nur zu 5 bis 18 Prozent. Was nicht aufgenommen wird, bauen Darmbakterien zu Trimethylamin ab, das die Leber zu TMAO umwandelt — einem Stoffwechselprodukt, das mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko in Verbindung gebracht wird. Die subkutane oder intravenöse Gabe wird vollständig verwertet und umgeht die TMAO-Bildung; in Tiermodellen förderte parenteral gegebenes L-Carnitin die Gefäßverkalkung nicht, orales dagegen schon.
Beobachteter Nutzen
- Fettstoffwechsel: ermöglicht die Verbrennung von Fettsäuren in den Mitochondrien und damit die ATP-Gewinnung aus Fettreserven.
- Gewicht: Eine Metaanalyse zeigt bei etwa 2 g täglich oral eine bescheidene Abnahme von durchschnittlich 1,2 kg und einen leichten BMI-Rückgang.
- Leistungsfähigkeit: kann Belastbarkeit verbessern und Erschöpfung mindern, vor allem bei bestehendem Carnitinmangel.
- Umgeht die TMAO-Bildung: Der subkutane Weg vermeidet die Umwandlung durch Darmbakterien und damit das damit verbundene Herz-Kreislauf-Risiko.
- Bei Dialysepatienten zeigten klinische Studien unter parenteraler Gabe weniger Erschöpfung und besseres Allgemeinbefinden.
Nebenwirkungen
- Reaktionen an der Einstichstelle: leichte Rötung, Schwellung oder Reizung, meist vorübergehend. Stellen systematisch wechseln.
- Bei oraler Einnahme über 3 g täglich Übelkeit, Durchfall und ein fischartiger Körpergeruch durch anfallende Stoffwechselprodukte. Die subkutane Gabe mindert das, da geringere Mengen nötig sind.
- Klinische Studien berichten für die parenterale Gabe ein gutes Sicherheitsprofil, selbst bei hohen Dosierungen.
Wie gut ist das belegt?
Auswertung von 37 randomisierten kontrollierten Studien.
Die Stufe beschreibt, wie gut untersucht ein Stoff ist — nicht, wie gut er wirkt. Eingestuft wird von Hand nach den unten aufgeführten Quellen; im Zweifel die schwächere Stufe.
Was die Stufen bedeuten und was hier fehlt
- AUmfangreiche HumanstudienZugelassenes Arzneimittel oder mehrere große kontrollierte Studien.
- BKlinische HumanstudienIn kontrollierten Studien am Menschen untersucht, Umfang begrenzt.
- CBegrenzte HumandatenKleine Studien, Fallserien oder Anwendung außerhalb kontrollierter Studien.
- DÜberwiegend TierstudienBelege stammen weit überwiegend aus Tiermodellen.
- EZell- und LaborversucheBelege stammen aus Zellkulturen oder Modellsystemen.
Für eine bessere EinstufungHöher geht diese Skala nicht — Stufe A ist die oberste.
Worauf sich alle Zahlen beziehen
Für L-Carnitine wird empfohlen, das 200-mg-Vial mit 2 mL bakteriostatischem Wasser anzumischen. Daraus ergibt sich eine Konzentration von 100 mg/mL.
Alle Zahlen weiter unten beziehen sich auf genau dieses Mischverhältnis. Die Einheitenangaben in den Tabellen gelten also nur, wenn du dieselbe Wassermenge verwendest.
Nimmst du mehr oder weniger Wasser, ändert sich die Konzentration — und damit jede Einheitenangabe. Die Wirkstoffmenge im Vial bleibt gleich, sie verteilt sich nur anders. Rechne in dem Fall mit dem Umrechner weiter unten, nicht mit den Tabellenwerten.
Angewendet wird einmal täglich, subkutan. Das Schema arbeitet sich schrittweise nach oben — die erste Stufe dient dazu, die Verträglichkeit zu prüfen.
Eigene Dosis umrechnen
Gerechnet mit 100 mg/mL auf einer U-100-Spritze. Vollständiger Rechner →
Anmischen
- 2 mL bakteriostatisches Wasser mit einer sterilen Spritze aufziehen.
- Das Wasser langsam an der Innenwand des Vials hinunterlaufen lassen — nicht direkt auf das Pulver strahlen, sonst schäumt es.
- Das Vial vorsichtig schwenken oder rollen, bis sich das Pulver vollständig gelöst hat. Auf keinen Fall schütteln.
- Die Lösung muss klar sein. Ergibt 100 mg/mL.
- Vial mit Anmischdatum und Konzentration beschriften und sofort in den Kühlschrank stellen.
Bei 100 mg/mL entspricht 1 Einheit auf der U-100-Spritze (0,01 mL) etwa 1 mg.
Lagerung
- Gefriergetrocknet (ungeöffnet): einfrieren bei -20 °C
- Angemischt: im Kühlschrank bei 2-8 °C
- Vor Licht geschützt lagern und das Vial mit dem Anmischdatum beschriften.
Was du dafür brauchst
- Gerechnet mit dem Standardschema oben und 7 Anwendungen pro Woche:
- 12 Wochen: 39 Vials, 84 Insulinspritzen, 123 Alkoholtupfer, 78 mL bakteriostatisches Wasser (entspricht 8 × 10-mL-Flaschen).
- 24 Wochen: 81 Vials, 168 Insulinspritzen, 249 Alkoholtupfer, 162 mL bakteriostatisches Wasser (entspricht 17 × 10-mL-Flaschen).
- Ein Kanülenbehälter für die sichere Entsorgung.
- Die Vialzahl ist aufgerundet; Restmengen im Vial sind dabei berücksichtigt.
Wichtige Hinweise
- Dosis, Datum und Einstichstelle jedes Mal notieren — nur so bleibt der Verlauf nachvollziehbar.
- Schrittweise steigern und Aufbaustufen nicht überspringen.
- Angemischte Vials nie über das angegebene Haltbarkeitsfenster hinaus verwenden.
- Bei trüber Lösung, Flocken oder Verfärbung das Vial verwerfen.
Injektionstechnik
- Vialdeckel und Einstichstelle mit einem Alkoholtupfer reinigen und vollständig trocknen lassen.
- Eine Hautfalte abheben und die Nadel im Winkel von 45 bis 90 Grad in das Unterhautfettgewebe einführen.
- Bei subkutaner Gabe nicht aspirieren. Langsam und gleichmäßig injizieren.
- Nach dem Injizieren einige Sekunden warten, bevor die Nadel zurückgezogen wird — so geht keine Dosis verloren.
- Einstichstellen systematisch wechseln (Bauch, Oberschenkel, Oberarm), um Verhärtungen zu vermeiden.
- Für jede Injektion eine neue sterile Nadel verwenden und sie sofort in einen Kanülenbehälter entsorgen.
Quellen
Eingeordnet nach dem, was in der Quellenangabe selbst steht. Wo die Art nicht eindeutig hervorgeht, zählt der Eintrag als weitere Quelle — nicht als Studie.
- Journal of the International Society of Sports Nutrition (2020)Systematische Übersicht2020Sawicka AK et al. The bright and the dark sides of L-carnitine supplementation: a systematic review (dose ranges, mechanisms, and metabolic effects)Quelle öffnen ↗
- Clinical Nutrition ESPEN (2020)Metaanalyse2020Talenezhad N et al. Meta-analysis of 37 RCTs: L-carnitine supplementation yields ~1.2 kg weight loss at ~2,000 mg/day oral dosing with diminishing returns above that dose (PMID: 32359762)Quelle öffnen ↗
- Clinical Pharmacokinetics (2003)2003Evans AM & Fornasini G. Pharmacokinetics of L-carnitine: oral bioavailability only 5-18% at high doses (1-6 g) vs. much higher absorption from IV/parenteral routes (PMID: 12908852)Quelle öffnen ↗
- Molecular Nutrition & Food Research (2018)2018Zhao Y et al. Subcutaneous L-carnitine bypasses gut bacterial TMAO production and does not promote atherosclerosis in ApoE-/- mice, unlike oral dosing (PMID: 29178259)Quelle öffnen ↗
- American Journal of Kidney Diseases (2001)2001Brass EP et al. IV L-carnitine (10-40 mg/kg after dialysis, 3×/week for 24 weeks) increased plasma carnitine, reduced fatigue, preserved exercise capacity in hemodialysis patients with excellent safety profile (PMID: 11325685)Quelle öffnen ↗
- Advances in Therapy (2019)Übersichtsarbeit2019Usach I et al. Subcutaneous injection review: volumes <0.8 mL minimize pain; room-temperature solutions, benzyl alcohol (vs. m-cresol) reduce pain; abdomen preferred site (PMID: 31529256)Quelle öffnen ↗
- Drugs.com (2024)2024Levocarnitine (Carnitor) dosing: 50 mg/kg IV daily for metabolic disorders; 10-20 mg/kg IV after dialysis for ESRD; doses up to 300 mg/kg/day used safely (medically reviewed Apr 23, 2024)Quelle öffnen ↗
- NIH Office of Dietary Supplements (2022)2022Carnitine Health Professional Fact Sheet: high oral doses (>3 g/day) cause fishy odor, nausea; unabsorbed carnitine -> gut bacterial TMAO production (potential CV risk)Quelle öffnen ↗
- SB PeptidePeptide Handling & Storage Guidelines: lyophilized peptides stable for months-years at -20 °C; reconstituted solutions stable 1-2 weeks at 4 °C, longer if frozen in aliquots; avoid freeze-thaw cyclesQuelle öffnen ↗
Allgemeine Grundlagen (4)
Diese Quellen stehen auf vielen Protokollen — sie belegen Injektionstechnik, Lagerung und Handhabung, nicht die Wirkung dieses Peptids.
- CDC Vaccine Administration GuidelinesBest practices during vaccination: subcutaneous injection angle (45-90°), site selection, no aspiration needed, rotation to prevent lipohypertrophyQuelle öffnen ↗
- NCBI BookshelfClinical Procedures: Best Practices in Injection Administration (aseptic technique, preparation, sharps disposal)Quelle öffnen ↗
- CDC Pink Book (14th Edition)Vaccine Administration (Chapter 6): subcutaneous injection technique (45-90° angle, no aspiration needed, site selection/rotation)Quelle öffnen ↗
- Linus Pauling Institute, Oregon State University (2022)2022L-Carnitine Micronutrient Information Center: FDA-approved uses (dialysis 10-20 mg/kg IV), research summary, safety overviewQuelle öffnen ↗
Ähnliche Peptide
Vorgeschlagen anhand von Wirkprinzip, gemeinsamer Mischung und Forschungsgebiet dieser Sammlung. Das ist keine Aussage darüber, dass die Stoffe gleichwertig oder austauschbar wären.
Quellen und Berechnungsgrundlagen im jeweiligen Eintrag. Ursprüngliche Zusammenstellung ↗