Cerebrolysin
Ein Nervennährstoff-Gemisch aus Hirngewebe. Cerebrolysin enthält kleine Peptide, die die Blut-Hirn-Schranke überwinden und ähnlich wirken wie körpereigene Nervenwachstumsfaktoren. Untersucht bei Schlaganfall, Demenz und Schädel-Hirn-Trauma. Gegeben wird es als Infusion in die Vene, in kleineren Mengen auch als Injektion in Vene oder Muskel. Eine Anwendung unter die Haut ist in den Herstellerangaben nicht vorgesehen.
Weitere Aktionen

In 30 Sekunden verstanden
- Was ist es?
- Nervennährstoff · Einzelsubstanz
- Wofür erforscht?
- Gedächtnis, Stimmung und Stress
- Datenlage
- Stufe B — Klinische Humanstudien
- Einschränkung
- Auswertungen mehrerer Demenzstudien mit geringer Aussagekraft; beim Schlaganfall fand die Cochrane-Übersicht keinen belegten Nutzen.
- Darreichungsform
- Infusion oder Injektion in Vene oder Muskel
Diese Vialstärke im Rechner öffnen →Dosis und Häufigkeit gibst du dort selbst ein.
Dosierungsschema
Dosierung laut Hersteller
| Anwendungsgebiet | Menge je Tag | Weg | Dauer |
|---|---|---|---|
| Schlaganfall | 20 bis 50 mL | Infusion in die Vene | 10 bis 21 Tage |
| Schädel-Hirn-Trauma | 20 bis 50 mL | Infusion in die Vene | 7 bis 30 Tage |
| Gefäßdemenz | 10 bis 30 mL | Infusion in die Vene | 5 Tage je Woche über 4 Wochen, 2 bis 4 Zyklen im Jahr |
| Alzheimer-Krankheit | 10 bis 30 mL | Infusion in die Vene | 5 Tage je Woche über 4 Wochen, 2 bis 4 Zyklen im Jahr |
| kleine Mengen | bis 10 mL | Injektion in die Vene, unverdünnt, langsam über 3 Minuten | — |
| kleine Mengen | bis 5 mL | Injektion in den Muskel, unverdünnt, langsam über 3 Minuten | — |
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Was Cerebrolysin tut
Cerebrolysin ist kein einzelnes Peptid, sondern eine Zubereitung aus vielen Bestandteilen, gewonnen aus Schweinehirngewebe. Sie enthält biologisch aktive Neuropeptide und Aminosäuren mit einem Molekulargewicht unter 10 Kilodalton.
Dieses geringe Gewicht erlaubt den Übertritt über die Blut-Hirn-Schranke. Dort entfaltet die Zubereitung nervennährende Wirkungen, die denen körpereigener Faktoren wie NGF und BDNF ähneln.
Vorklinische Studien zeigen nervenschützende Wirkungen, darunter kleinere Infarktgebiete und bessere Erholung in Modellen für Durchblutungsstörungen. Am Menschen wurde die Anwendung bei Schlaganfall, Demenz und Schädel-Hirn-Trauma untersucht — mit gemischten Ergebnissen, aber insgesamt guter Verträglichkeit.
Wie belastbar ist das? Die Cochrane-Übersicht von 2020 wertete sieben Studien mit 1601 Teilnehmenden beim akuten Schlaganfall aus und fand keinen belegten Nutzen für Überleben oder Erholung; die Daten stammten überwiegend vom Hersteller. Cerebrolysin ist in mehreren Ländern Europas und Asiens als Arzneimittel zugelassen, nicht jedoch in den USA.
Beobachteter Nutzen
- In vorklinischen Modellen durchgängig nervenschützende Wirkungen: weniger Nervenzellschäden und bessere funktionelle Erholung nach Durchblutungsmangel.
- Zusammenfassende Auswertungen von Demenzstudien am Menschen deuten unter täglichen Infusionen auf einen mäßigen Nutzen für die geistige Leistungsfähigkeit hin. Die Cochrane-Übersicht zur Gefäßdemenz bewertet die Aussagekraft dieser Studien allerdings als gering. Bei Schlaganfallstudien fielen die Ergebnisse uneinheitlicher aus.
Nebenwirkungen
- Bei kurzzeitiger Anwendung im Allgemeinen gut vertragen; gelegentlich leichte Reaktionen an der Anwendungsstelle wie Rötung oder Missempfinden.
- Selten Schwindel, Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden. Bei ausgeprägten Beschwerden absetzen und ärztlichen Rat einholen.
- Zu bedenken: Es handelt sich um ein Erzeugnis tierischen Ursprungs aus Hirngewebe.
Wie gut ist das belegt?
Auswertungen mehrerer Demenzstudien mit geringer Aussagekraft; beim Schlaganfall fand die Cochrane-Übersicht keinen belegten Nutzen.
Die Stufe beschreibt, wie gut untersucht ein Stoff ist — nicht, wie gut er wirkt. Eingestuft wird von Hand nach den unten aufgeführten Quellen; im Zweifel die schwächere Stufe.
Was die Stufen bedeuten und was hier fehlt
- AUmfangreiche HumanstudienZugelassenes Arzneimittel oder mehrere große kontrollierte Studien.
- BKlinische HumanstudienIn kontrollierten Studien am Menschen untersucht, Umfang begrenzt.
- CBegrenzte HumandatenKleine Studien, Fallserien oder Anwendung außerhalb kontrollierter Studien.
- DÜberwiegend TierstudienBelege stammen weit überwiegend aus Tiermodellen.
- EZell- und LaborversucheBelege stammen aus Zellkulturen oder Modellsystemen.
Für eine bessere EinstufungFür Stufe A fehlen mehrere große kontrollierte Studien oder eine arzneimittelrechtliche Zulassung.
Worauf sich alle Zahlen beziehen
Für Cerebrolysin wird empfohlen, das 60-mg-Vial mit 3 mL bakteriostatischem Wasser anzumischen. Daraus ergibt sich eine Konzentration von 20 mg/mL.
Alle Zahlen weiter unten beziehen sich auf genau dieses Mischverhältnis. Die Einheitenangaben in den Tabellen gelten also nur, wenn du dieselbe Wassermenge verwendest.
Nimmst du mehr oder weniger Wasser, ändert sich die Konzentration — und damit jede Einheitenangabe. Die Wirkstoffmenge im Vial bleibt gleich, sie verteilt sich nur anders. Rechne in dem Fall mit dem Umrechner weiter unten, nicht mit den Tabellenwerten.
Eigene Dosis umrechnen
Gerechnet mit 20 mg/mL auf der rechnerischen Vial-Konzentration. Vollständiger Rechner →
Anmischen
- 3 mL bakteriostatisches Wasser mit einer sterilen Spritze aufziehen.
- Das Wasser langsam an der Innenwand des Vials hinunterlaufen lassen — nicht direkt auf das Pulver strahlen, sonst schäumt es.
- Das Vial vorsichtig schwenken oder rollen, bis sich das Pulver vollständig gelöst hat. Auf keinen Fall schütteln.
- Die Lösung muss klar sein. Ergibt 20 mg/mL.
- Vial mit Anmischdatum und Konzentration beschriften und sofort in den Kühlschrank stellen.
Bei 20 mg/mL entspricht 1 Einheit auf der U-100-Spritze (0,01 mL) etwa 0,2 mg.
Lagerung
- Gefriergetrocknet (ungeöffnet): kühlen bei 25 °C
- Angemischt: im Kühlschrank bei 2-8 °C, innerhalb von 7 Tage aufbrauchen
- Vor Licht geschützt lagern und das Vial mit dem Anmischdatum beschriften.
Wichtige Hinweise
- Dosis, Datum und Einstichstelle jedes Mal notieren — nur so bleibt der Verlauf nachvollziehbar.
- Schrittweise steigern und Aufbaustufen nicht überspringen.
- Angemischte Vials nie über das angegebene Haltbarkeitsfenster hinaus verwenden.
- Bei trüber Lösung, Flocken oder Verfärbung das Vial verwerfen.
Seitenstand: . Veröffentlichungsjahre stehen bei den einzelnen Quellen.
Quellen
Eingeordnet nach dem, was in der Quellenangabe selbst steht. Wo die Art nicht eindeutig hervorgeht, zählt der Eintrag als weitere Quelle — nicht als Studie.
- International Peptide Society (2018)2018Monographie einer Branchenvereinigung zu Cerebrolysin, nicht begutachtet und nicht amtlichQuelle öffnen ↗
- Alzheimer’s Drug Discovery Foundation2016Cerebrolysin cognitive vitality report: evidence synthesis and safety overview (2016)Quelle öffnen ↗
- Zhang et al., Med Sci Monit (PMC)2017Meta‑analysis of Cerebrolysin efficacy and safety in acute ischemic stroke (2017)Quelle öffnen ↗
- Kurkin et al., PLOS OneTiermodell2021Neuroprotective action of Cerebrolysin in acute/chronic brain ischemia in rats (2021)Quelle öffnen ↗
- Espinoza et al., Behav Brain Res (PubMed)Tiermodell2024Cerebrolysin neuroprotection and neurorepair in diabetic rat model (2024)Quelle öffnen ↗
- EVER Neuro Pharma – DosierungsempfehlungHerstellerangabe zum zugelassenen Arzneimittel: Infusion in die Vene mit Mengenangabe, auf mindestens Mengenangabe verdünnt und über 15 Minuten gegeben; Injektion in die Vene bis Mengenangabe, in den Muskel bis Mengenangabe; Mengenangabe enthält Mengenangabe PeptidfraktionQuelle öffnen ↗
- Cochrane Database of Systematic Reviews (2020)Übersichtsarbeit2020Ziganshina LE, et al. Cerebrolysin beim akuten Schlaganfall: Cochrane-Übersicht über sieben Studien mit 1601 Teilnehmenden – kein belegter NutzenQuelle öffnen ↗
- Cochrane Database of Systematic Reviews (2019)Übersichtsarbeit2019Cui S, et al. Cerebrolysin bei Gefäßdemenz: systematische Übersicht; die eingeschlossenen Studien sind wenig aussagekräftigQuelle öffnen ↗
Allgemeine Grundlagen (2)
Diese Quellen stehen auf vielen Protokollen — sie belegen Injektionstechnik, Lagerung und Handhabung, nicht die Wirkung dieses Peptids.
- CDC2024Injection safety: preventing unsafe injection practices in clinical settings (2024)Quelle öffnen ↗
- WHO2016Injection safety: best practices for healthcare providers guide (2016)Quelle öffnen ↗
Ähnliche Peptide
Vorgeschlagen anhand von Wirkprinzip, gemeinsamer Mischung und Forschungsgebiet dieser Sammlung. Das ist keine Aussage darüber, dass die Stoffe gleichwertig oder austauschbar wären.
Quellen und Berechnungsgrundlagen im jeweiligen Eintrag. Die Mengen stammen aus der Dosierungsempfehlung des Herstellers und beziehen sich auf Milliliter der gebrauchsfertigen Lösung, nicht auf Milligramm Trockenmasse.