Amycretin
Ein Abnehmwirkstoff, der zwei Sättigungswege in einem Molekül verbindet. Amycretin wirkt zugleich am GLP-1- und am Amylin-Rezeptor. In der bisher größten Studie nahmen Teilnehmende unter der höchsten Dosis in 36 Wochen rund 22 Prozent ihres Gewichts ab.
In 30 Sekunden verstanden
- Was ist es?
- Dual-Agonist · Einzelsubstanz
- Wofür erforscht?
- Abnehmen und Körperfett
- Datenlage
- Stufe B — Klinische Humanstudien
- Einschränkung
- Phase-1b/2a-Studie über 36 Wochen mit 125 Teilnehmenden; Phase 3 läuft seit 2026.
- Darreichungsform
- subkutane Injektion
Diese Vialstärke im Rechner öffnen →Dosis und Häufigkeit gibst du dort selbst ein.
Dosierungsschema
Standard – schrittweiser Aufbau
| Phase | Wochendosis | Einheiten je Injektion |
|---|---|---|
| Woche 1-4 | 0,3 mg | 6 Einheiten (0,06 mL) |
| Woche 5-8 | 1,25 mg | 25 Einheiten (0,25 mL) |
| Woche 9-16 | 5 mg | 100 Einheiten (1,00 mL) |
| ab Woche 17 | 20 mg | 400 Einheiten (4,00 mL, 4 Vials) |
Was Amycretin tut
Amycretin verbindet zwei Sättigungssignale in einem einzigen Molekül: die Wirkung von GLP-1, die Appetit und Magenentleerung bremst, und die von Amylin, das aus der Bauchspeicheldrüse zusammen mit Insulin ausgeschüttet wird und das Sättigungsgefühl verstärkt.
In der Phase-1b/2a-Studie mit 125 Teilnehmenden wurde die Wochendosis von 0,3 mg schrittweise gesteigert, je nach Studienteil bis auf 1,25 mg, 5 mg, 20 mg oder 60 mg. Die Behandlung dauerte 20 bis 36 Wochen. Die Gewichtsabnahme erreichte unter den höchsten Dosen rund 22 Prozent und hatte am Ende der Studie noch keinen Boden gefunden.
Häufigste Nebenwirkungen waren Magen-Darm-Beschwerden, überwiegend leicht bis mittelschwer. Auffällig war die hohe Zahl an Abbrüchen, überwiegend aus Gründen, die nicht mit der Behandlung zusammenhingen.
Zulassung und Recht: Amycretin ist nirgends zugelassen. Der Hersteller Novo Nordisk hat Anfang 2026 sowohl die gespritzte als auch die Tablettenform in Phase 3 gebracht. Bis eine Zulassung möglich wäre, vergehen mehrere Jahre.
Beobachteter Nutzen
- Rund 22 Prozent Gewichtsabnahme in 36 Wochen unter der höchsten geprüften Dosis – der höchste bisher in einer frühen Studie berichtete Wert dieser Wirkstoffklasse.
- Zwei Sättigungswege in einem Molekül, dadurch nur eine Spritze pro Woche.
- Die Kurve der Gewichtsabnahme war am Studienende noch nicht abgeflacht.
- Auch als Tablette in Entwicklung, dort rund 13 Prozent Abnahme in zwölf Wochen.
Nebenwirkungen
- Magen-Darm-Beschwerden sind mit Abstand am häufigsten: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall. Überwiegend leicht bis mittelschwer und im Verlauf abnehmend.
- Die Verträglichkeit hängt stark von der Geschwindigkeit der Dosissteigerung ab.
- In der Studie brachen viele Teilnehmende vorzeitig ab, überwiegend aus Gründen ohne Bezug zur Behandlung. Das schränkt die Aussagekraft ein.
- Langzeitdaten fehlen: Die längste veröffentlichte Behandlungsdauer beträgt 36 Wochen.
Wie gut ist das belegt?
Phase-1b/2a-Studie über 36 Wochen mit 125 Teilnehmenden; Phase 3 läuft seit 2026.
Die Stufe beschreibt, wie gut untersucht ein Stoff ist — nicht, wie gut er wirkt. Eingestuft wird von Hand nach den unten aufgeführten Quellen; im Zweifel die schwächere Stufe.
Was die Stufen bedeuten und was hier fehlt
- AUmfangreiche HumanstudienZugelassenes Arzneimittel oder mehrere große kontrollierte Studien.
- BKlinische HumanstudienIn kontrollierten Studien am Menschen untersucht, Umfang begrenzt.
- CBegrenzte HumandatenKleine Studien, Fallserien oder Anwendung außerhalb kontrollierter Studien.
- DÜberwiegend TierstudienBelege stammen weit überwiegend aus Tiermodellen.
- EZell- und LaborversucheBelege stammen aus Zellkulturen oder Modellsystemen.
Für eine bessere EinstufungFür Stufe A fehlen mehrere große kontrollierte Studien oder eine arzneimittelrechtliche Zulassung.
Worauf sich alle Zahlen beziehen
Für Amycretin wird empfohlen, das 10-mg-Vial mit 2 mL bakteriostatischem Wasser anzumischen. Daraus ergibt sich eine Konzentration von 5 mg/mL.
Alle Zahlen weiter unten beziehen sich auf genau dieses Mischverhältnis. Die Einheitenangaben in den Tabellen gelten also nur, wenn du dieselbe Wassermenge verwendest.
Nimmst du mehr oder weniger Wasser, ändert sich die Konzentration — und damit jede Einheitenangabe. Die Wirkstoffmenge im Vial bleibt gleich, sie verteilt sich nur anders. Rechne in dem Fall mit dem Umrechner weiter unten, nicht mit den Tabellenwerten.
Angewendet wird einmal wöchentlich, subkutan. Das Schema arbeitet sich schrittweise nach oben — die erste Stufe dient dazu, die Verträglichkeit zu prüfen.
Eigene Dosis umrechnen
Gerechnet mit 5 mg/mL auf einer U-100-Spritze. Vollständiger Rechner →
Anmischen
- 2 mL bakteriostatisches Wasser mit einer sterilen Spritze aufziehen.
- Das Wasser langsam an der Innenwand des Vials hinunterlaufen lassen — nicht direkt auf das Pulver strahlen, sonst schäumt es.
- Das Vial vorsichtig schwenken oder rollen, bis sich das Pulver vollständig gelöst hat. Auf keinen Fall schütteln.
- Die Lösung muss klar sein. Ergibt 5 mg/mL.
- Vial mit Anmischdatum und Konzentration beschriften und sofort in den Kühlschrank stellen.
Bei 5 mg/mL entspricht 1 Einheit auf der U-100-Spritze (0,01 mL) etwa 0,05 mg.
Lagerung
- Gefriergetrocknet (ungeöffnet): einfrieren bei -20 °C
- Angemischt: im Kühlschrank bei 2-8 °C, innerhalb von 30 Tage aufbrauchen
- Wiederholtes Einfrieren und Auftauen vermeiden.
- Vor Licht geschützt lagern und das Vial mit dem Anmischdatum beschriften.
Was du dafür brauchst
- Gerechnet mit dem Standardschema oben und 1 Anwendung pro Woche:
- 12 Wochen: 3 Vials, 6 mL bakteriostatisches Wasser (entspricht 1 × 10-mL-Flasche).
- 24 Wochen: 21 Vials, 42 mL bakteriostatisches Wasser (entspricht 5 × 10-mL-Flaschen).
- Ein Kanülenbehälter für die sichere Entsorgung.
- Die Vialzahl ist aufgerundet; Restmengen im Vial sind dabei berücksichtigt.
Wichtige Hinweise
- Dosis, Datum und Einstichstelle jedes Mal notieren — nur so bleibt der Verlauf nachvollziehbar.
- Schrittweise steigern und Aufbaustufen nicht überspringen.
- Angemischte Vials nie über das angegebene Haltbarkeitsfenster hinaus verwenden.
- Bei trüber Lösung, Flocken oder Verfärbung das Vial verwerfen.
Injektionstechnik
- Vialdeckel und Einstichstelle mit einem Alkoholtupfer reinigen und vollständig trocknen lassen.
- Eine Hautfalte abheben und die Nadel im Winkel von 45 bis 90 Grad in das Unterhautfettgewebe einführen.
- Bei subkutaner Gabe nicht aspirieren. Langsam und gleichmäßig injizieren.
- Nach dem Injizieren einige Sekunden warten, bevor die Nadel zurückgezogen wird — so geht keine Dosis verloren.
- Einstichstellen systematisch wechseln (Bauch, Oberschenkel, Oberarm), um Verhärtungen zu vermeiden.
- Für jede Injektion eine neue sterile Nadel verwenden und sie sofort in einen Kanülenbehälter entsorgen.
Quellen
Eingeordnet nach dem, was in der Quellenangabe selbst steht. Wo die Art nicht eindeutig hervorgeht, zählt der Eintrag als weitere Quelle — nicht als Studie.
- The Lancet (2025)Randomisierte Studie2025Dahl K, et al. Amycretin unter die Haut: randomisierte, placebokontrollierte Phase-1b/2a-Studie mit 125 Teilnehmenden über bis zu 36 WochenQuelle öffnen ↗
- The Lancet (2025)Randomisierte Studie2025Sicherheit, Verträglichkeit und Wirkung des ersten GLP-1- und Amylin-Wirkstoffs in einem Molekül: randomisierte StudieQuelle öffnen ↗
- EBioMedicine (2025)2025Wirkung von Amycretin auf Körpergewicht und Stoffwechsel: Auswertung klinischer DatenQuelle öffnen ↗
- Metabolism (2026)Übersichtsarbeit2026Amycretin bei Adipositas: Wirkmechanismen, klinische Wirksamkeit und Ausblick (Übersicht)Quelle öffnen ↗
- ClinicalTrials.gov – Amycretin Phase 1Phase-1-StudieAbgeschlossene Phase-1-Studie mit Amycretin als Tablette, 36 Teilnehmende (NCT06049329)Quelle öffnen ↗
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Vorgeschlagen anhand von Wirkprinzip, gemeinsamer Mischung und Forschungsgebiet dieser Sammlung. Das ist keine Aussage darüber, dass die Stoffe gleichwertig oder austauschbar wären.
Quellen und Berechnungsgrundlagen im jeweiligen Eintrag. Die Mengen entsprechen den Dosierungen aus den unten aufgeführten Studien; hier nachgerechnet ist die Umrechnung auf Vialgröße und Spritzeneinheiten.